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Altes loslassen - Neues beginnen - www.blumenwiesen.org - Monika Kreusel
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Für die Anfangszeit der Therapie standen uns zwei schwierige Tage bevor: Am 7. und 8. Juni verjährte dieses Jahr nach 10 Jahren ein Mordversuch, der mit einer Verabredung zu einem Verbrechen verbunden war. Im Laufe dieser 10 Jahre hätte es noch zu einem Prozess kommen können, wenn jemand ausgesagt hätte, der genau von dieser Tat und deren Planung wusste.
Daher ging es hier einerseits um radikales Annehmen, dass dies nicht geschehen ist und wir somit offiziell keine Gerechtigkeit erfahren haben. Ebenso aber sind wir frei für Neues und sicher.
Auf dieser Seite geht es um das Loslassen und Neuorientieren. Vor einigen Wochen bereits haben wir uns bewusst von Kleidung getrennt, die nicht mehr zu uns passt oder schlecht sitzt sowie von Bettwäsche, die uns an die alten Zeiten erinnert. Der Kleiderschrank sieht jetzt etwas arm aus...
Nachdem ich am 7. Juni sehr depressiv und müde war, habe ich am 8. Juni den Ablauf des Tages im therapeutischen Einzelgespräch besprochen und folgendes gemacht abends: Geplant hatte ich ein Feurritual zum Loslassen alter Gefühle, Gedanken und Bindungen. Weiter geplant habe ich das Aufschreiben von Zielen auf herzförmige Zettel. Als Hausaufgabe bekam ich auf, 3 positive Sätze aufzuschreiben und festzuhalten, worin ich durch das Erlebnis damals gewachsen bin.
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Im Vorfeld des Feuerrituals habe ich achtsam geduscht, die Haare gewachsen und gefönt, mir etwas schönes angezogen und den Couchtisch abgeräumt. Anschließend habe ich den CD-Player mit Meditations-Musik bestückt, unseren mexikanischen Freundeskreis und meinen selbstgemachten Tonengel auf den Couchtisch gestellt, ein Vanille-Räucherstäbchen angezündet
Duftkerze: TINDRA von IKEA
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sowie verschiedene Vanille-Kerzen und die Salzkristallampe eingeschaltet. Zur Feier des Tages gab es einen besonders leckeren Tee: La Cucu (grüner Tee mit Bocksdorn und Ringelblume). Auf weiße Zettel habe ich verschiedene Worte geschrieben:
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Diese Zettel habe ich langsam und achtsam nacheinander über einem feuerfesten Schälchen verbrannt und mir folgende Sätze dazu aufgeschrieben:
1 Ich löse mich von Ungewissheit und Angst. Von den Tätern droht mir keine Gefahr mehr.
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2 Ich bin heute in Sicherheit und löse mich von der allgegegenwärtigen Gefahr von damals.
3 Ich löse mich von der emotionalen Bindung an den Z.. Ich bin frei und ungebunden. Ich bin bereit, ihm zu vergeben.
4 Ich löse mich vom Suchtverhalten, die 1996 begann, als ich mich verstecken musste. Heute bin ich frei und ungebunden und vergebe mir selbst.
5 Ich löse mich von meinem manchmal strengem Auftreten. Damals war es hilfreich, um zu überleben. Heute möchte ich Menschen in einer Haltung der Gewaltlosigkeit und Liebe begegnen.
6 Ich löse mich von dem schmerzhaften Gefühl der Einsamkeit, als ich mich verstecken musste. Heute bin ich sicher und kann mich frei bewegen.
7 Ich löse mich von meinen Hassgefühlen den Tätern gegenüber und bin bereit ihnen zu vergeben.
8 Ich löse mich von meiner Wut auf die Täter und übe mich stets in der Gewaltlosigkeit. Bei Terre des Femmes setze ich mich entschlossen gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution ein.
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aboutpixel.de / Vergänglichkeit 2 © Thomas Göbert
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Affirmation: Louise Hay Motiv: Monika Kreusel
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Ich bin offen und bereit für Veränderung.
Ich bin frei und sicher.
In der Gegenwart meiner Engel bin ich geliebt und geborgen.
Eine neue Zeit beginnt in meinem Leben.
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Durch die alten Erfahrungen von 1994 bis 1997 bin ich gewachsen und habe an Stärke gewonnen.
Ich habe mich im August 1997 am Abendgymnasium Köln angemeldet und innerhalb von 2 Jahren das Abitur nachgeholt.
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um zu studieren. Neben der ab dem 11. November 1997 laufenden laufenden ambulanten Psychotherapie war dies nicht selten eine Grenzerfahrung, aber ich war entschlossen und habe es geschafft!
Ich habe gelernt, Menschen gut einzuschätzen.
In der ambulanten Therapie von 1997 bis 2001 habe ich mich aus eigenem Antrieb meiner eigenen Wut und meinen Hassgefühlen gestellt und an ihnen gearbeitet. Daraus resultiert meine Entscheidung zur Gewaltlosigkeit.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich in der Zeit der Bedrohung und Gefahr, auch unter schwersten Bedingungen mein Leben und meinen Tagesablauf organisieren und planen konnte, ohne dass dies für die Täter von außen durchschaubar war. Ich habe mich nicht allein auf die Polizei verlassen.
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In der Zeit des Alleinseins und mich Versteckens 1997, habe ich sehr viele Bücher gelesen statt Drogen zu nehmen oder zu trinken. Davon kann ich jetzt und auch in Zukunft profitieren.
Ich bin auch in härtesten Zeiten meinen Grundüberzeugungen und meinem Rechtsempfinden treu geblieben, war aber auch mehr bereit, Menschen als Ganzes zu sehen, auch die Täter.
Meine Bilder haben eine neue Qualität bekommen.
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Resultierend aus der Erfahrung meiner eigenen Wut und Hassgefühle den Tätern gegenüber, habe ich mich zur Gewaltlosigkeit entschlossen und werde die Praxis der gewaltfreien Kommunikation fest in mein Leben integrieren.
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Ich löse mich von alten Einstellungen, die hinderlich sind für mich und entwickle Schritt für Schritt ein neues positives Selbstwertgefühl.
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Ich lerne neues Verhalten und lasse mich auf wirkliche Beziehungen zu Menschen ein.
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Ich lasse mich ein auf neue Erfahrungen und bin in Sicherheit. Ich bin ganz bei mir und übe mich täglich in Achtsamkeit.
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Ich begegne mir selbst und anderen Menschen mit Freundlichkeit.
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Ich bin entspannt und sicher. Mir selbst und anderen Menschen begegne ich in einern Haltung der Warmherzigkeit. Ich werde auchäußerlich sichtbar weicher und entspannter, strahle Wärme aus.
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Mittlerweile sind knapp dreieinhalb Jahre vergangen. Immer wieder muss ich mich daran erinnern, dass ich vergeben habe. Das sind eben keine frommen Worte, sondern eine tägliche Herausforderung. Und über Jahre habe ich mich innerlich dagegen gewehrt, zu vergeben. Oftmals Tag für Tag.
Jedoch hat das Vergeben mehr den Sinn des Loslassens, um frei zu werden für Neues. Natürlich ist das auch keine Sache von einem Tag, die sich beschließen ließe und alles ist in Ordnung - für mich jedenfalls nicht. Einen Heiligenschein habe ich ebenso wenig. Vielmehr geht es dabei für mich, auch im zeitlichen Abstand von drei Jahren, um einen Schritt in einer langjährigen Entwicklung. Bereits während der ambulanten Einzeltherapie zwischen November 1997 und Juli 2001 habe ich im Laufe der Zeit zugelassen, dass meine Wut und meine Hassgefühle langsam weniger wurden. Über Jahre habe ich mir immer wieder selbst gefragt, wie ich mich fühlen und verhalten würde, wenn einer der damaligen Täter durch einen Unfall beispielsweise, erste Hilfe benötigt und ich dort bin. Natürlich würde ich eine solche niemals verweigern oder unterlassen. Aber ich bin ehrlich gesagt auch in dieser Hinsicht erleichtert, dass es bei zwei Personen in Folge der Verurteilung wegen der Vergewaltigung im Jahr 1994 jeweils im Mai 1997 und im Dezember 1998 zu einer Abschiebung gekommen war, die ich freiwilig niemals anfassen möchte.
Kartenset von L. Hay: Körper und Seele
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Eine andere Frage und die erscheint mir weitaus komplizierter, ist die der Moral, wenn es um eine emotionale Bindung zu Menschen aus einem solchen Umfeld geht. Wenn es darum geht, auch Gefühle für jemanden zu empfinden. Kann unbändiger Hass auf Lebenszeit aus moralischer Sicht eingefordert werden? Ich kann für mich sagen, dass ich das keinesfalls möchte. Zudem ist Hass auch selbstschädigend. Irgendwann, lange vor der DBT kam ich für mich zur Einsicht, dass meine intensiven Hassgefühle mit der Zeit zu einer inneren Einstellung werden würden, wenn ich mich wehre gegen meine eigene Wahrnehmung, dass die Intensität dieser Gefühle im Laufe meiner Entwicklung schwächer werden oder das zumindest nicht akzeptiere.
Leider habe ich über Jahre wiederholt die Erfahrung gemacht, dass es auch nach moralischen Maßstäben Straftaten zu geben scheint, die im juristischen Sinne keine sind.
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Dazu gehört meine Wahrnehmung und das Erleben widerstreitender Emotionen gegenüber Menschen, die es zu bestimmten Zeiten meines Lebens alles andere als gut mit mir meinten. Sind meine Gefühle wirklich ausschließlich das Resultat meines Bedürfnisses nach Sicherheit, wie mir in einer anderen Tagesklinik erklärt wurde? Oder ist da auch etwas anderes?
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2004 habe ich dort im Rahmen der Kunsttherapie meine Gefühle gegenüber einem von ihnen bearbeitet, mit dem ich einmal lange gesprochen hatte. Mit dem Malen allein war es nicht getan, denn gerade das löste in mir einen Sturm heftiger Emotionen aus. Dennoch fand das Bild mit seiner Größe von einem mal einem Meter seinen Platz über meinem Fernseher. Es gibt nicht allein mein Bedürfnis nach Sicherheit wieder, sondern etwas, das zu mir gehört und das sind meine Gefühle, auch wenn sie manchem moralisch bedenklich erscheinen mögen. Für mich sind sie das nicht, sie gehören zu mir und ich habe auch im Laufe der letzten Jahre für mich erkannt, dass ich damit innerlich freier geworden bin, dass ich dies für mich so annehmen kann. Und genau das bedeutet für mich auch Loslassen.
Loszulassen macht es mir möglich, innerlich freier zu werden, auch wenn ich das Freiergewordensein vielleicht erst über Jahre hinweg rückwirkend wirklich in mir wahrnehmen kann mittlerweile. Das ist Teil meiner Entwicklung und nichts Statisches, das Erledigen einer Hausaufgabe während einer tagesklinischen Therapie.
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Monika Kreusel Foto: Reiner Diart, Köln
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Ich verabscheue Gewalt und Ausbeutung. Mit zunehmendem Wissen über organisierte Kriminalität ist dies auch keinesfalls weniger geworden, aber da geht es um konkrete Gesetze und nicht allein um individuelle moralische Ansprüche gegenüber anderen Menschen, deren Erfahrungen man so selbst nicht kennt. Durch meine eigenen Erfahrungen und den Umgang mit meinen Gefühlen in der Therapie und darüber hinaus, erlebe ich mich gleichzeitig in der Außenseiterposition, wenn ich moralische Normen derart hinterfrage und mich ihnen widersetze um mehr innere Freiheit für mich zu erreichen. Was ist der Preis für diese Freiheit? Einen Preis muss man immer zahlen. Das habe ich in der DBT gelernt. Besteht für mich der Preis im Umstand, umso mehr als exzentrisch wahrgenommen und angesehen zu werden? Bringe ich mich ins Abseits damit? Mache ich mich nach moralischen Normen verdächtig?
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